Freitag, 16.10.09
Fahrt Richtung Oudtshoorn
Heute um 9 bin ich aufgebrochen Richtung Oudtshoorn, in der sog. “kleinen Karoo”, ca. 300 km. Die erste Hälfte der Fahrt ist langweilig, dann tauchen wieder erste Berge auf. 70 km vor Oudtshoorn sehe ich die ersten Strauße. Stehen etwas vereinsamt in der Gegend rum. Fahre weiter, nach 10 km eine ganze Farm, nur Strauße. Ich fahr an den Zaun, steige aus, die Strauße kommen neugierig näher, ich halte dann doch lieber Abstand.
Oudtshoorn – Backpacker’s Paradise
Gegen halb zwei bin ich dann im “Backpacker’s Paradise”, so heisst das Hostel hier, es liegt am Ortsausgang Richtung Swartbergpass. Bin sofort (mal wieder) beeindruckt: alles sehr nett, persönlich. Es gibt einnen Minipool, eine schöne Küche, eine nette Bar, einen Gartenbereich. Auf einer Schiefertafel kann man sich für’s abendliche Braai (Grillen) anmelden. Mach ich doch gleich, Boerwors (grobe Bauernbratwurst, südafrikanische Spezialität) und Straußensteak stehen auf dem Plan. Mein Zimmer könnte etwas schöner sein, aber naja. 180 Rand die Nacht, mit Gemeinschaftsbad.
Straußenfarm
Oudtshoorn selbst ist ein recht gepflegter Ort, breite Straßen, aber viel los ist auch hier nicht. Gegen 4 fahre ich dann zu einer Straußenfarm (Cango Ostrich Farm) und mache eine Führung mit. Ich lasse mir von Straußen aus der Hand fressen und gucke zu, wie sich andere im Straußenreiten üben. Strauße kann man nicht trainieren, sie sind ziemlich doofe Viecher. Sie werden nur aggressiv, wenn sie ihren Nachwuchs beschützen wollen. Unser Führer meint, mit einem einzigen kräftigen Tritt ihrer Füsse können sie einen Menschen aufschlitzen und töten. Einzige Chance: flach mit dem Bauch auf den Boden! Die Strauße trampeln dann nur auf einem rum, und man kommt mit Rippenbrüchen davon. Insgesamt war die Tour bei der Cango Ostrich Farm nicht so wahnsinnig interessant, der Führer war auch ein bisschen wenig engagiert und hat sein Programm runtergerasselt.
Danach will ich mir noch den Ort ein bisschen angucken, aber hier werden um 5 schon die Bürgersteige hochgeklappt. Nur noch die Supermärkte haben auf.
Braai
Abends wird dann noch für uns lecker gegrillt, Straußensteak, schmeckt fast wie Rindfleisch. Dabei lerne ich noch Dona aus den USA kennen. Sie ist Mitte Fünfzig (geschätzt) und sowas wie frühpensioniert. Sie reist seit 6 Jahren 10 Monate pro Jahr durch die Welt. Vielleicht hat sie auch im Lotto gewonnen oder bei einer Scheidung viel abgekriegt, ich will sie nicht so direkt fragen. Trotzdem übernachtet sie auch lieber in Jugendherbergen, um Leute kennen zu lernen.
Samstag, 17.10.2009
Downhill Swartberg Pass
Am nächsten Tag habe ich mich für eine Mountainbiketour angemeldet. Das geht so: ein Minibus bringt mich ca. 55 km weit auf den Swartbergpass, einem hohen Gebirgspass. Oben ziehe ich mir erstmal etwas Winddichtes an, und dann gehts ab, Downhill fast 15 km auf Schotterpiste, den Berg hinab. Absolut genial. Der Ausblick Wahnsinn. Hinter mir in sicherem Abstand der Minibus, damit mir ja nix passiert, aber ich hänge ihn locker ab.
Cango Caves
Nach 15 km ist der Spass vorbei, dann gehts auf und ab ca. 10 km zu den Cango Caves, einem großen Höhlensystem. Dort mache ich die Adventuretour mit. Macht viel Spaß. Es ist diesmal allerdings nicht so eine Mühsal wie in Swaziland, allerdings muss man sich auch hier ziemlich durch enge Gänge zwängen. Es gibt auch noch eine “Standard Tour”, aber die stelle ich mir echt langweilig vor: Höhlen hab ich schon genug gesehen, nur das Rumgeklettere ist neu.
Übrigens gibt’s beim “Backpacker’s Paradise” noch Rabattmarken für die Straußenfarm und die Cango Caves. Gut, bei den Preisen ist das nicht wirklich entscheidend. Man spart mit den Marken so ca. 10-20 Rand.
Strampelei
Nach den Höhlen habe ich noch über 30 km nach Oudtshoorn. Die Mountainbikes vom Hostel sind allesamt ziemliche Schrottteile, fahren, aber es knirscht und knackt, und dann brennt noch die Sonne. Ca. 17 km vor Oudtshoorn mache an einer Game Lodge / Restaurant halt und esse Kudu-Steak, mit Avocado und Süsskartoffeln. Wieder sehr lecker und günstig, nicht mal 9 Euro inkl. Getränk.
Weiter gehts. 5 km vor Oudtshoorn steht ein anderer Mountainbiker an der Strasse, mit Platten. Es ist Gille, so ca. 70jähriger Pensionär, aber super-sportlich, mit Profi-Radler-Outfit. Gill lebt in Oudtshoorn, d.h. hat es sich als seinen Altersruhesitz auserkoren. Als weiteres Hobby macht er Ausdauer-Gehen, Marathon-Strecken. Wir quatschen ein bisschen und ich helfe ihm, seinen Reifen zu flicken. Er will mir für meine Freundlichkeit 20 Rand für ein Bierchen geben. Dabei war es mal wieder nur total nett, jemanden kennenzulernen.
Swiss’ Bistro
Gegen abend gehen Dona, ich und Katie, eine junge Engländerin, die hier zu einer Hochzeit eingeladen ist, noch ins “Swiss Bistro”, ein nettes Restaurant, gleich um die die Ecke. Dort esse ich ein Zebra-Steak mit Schweizer Rösti. Schmeckt auch wieder nach Rind, aber mürber. Die Küche hier besteht also hauptsächlich aus Steaks. Es gibt natürlich auch Pizza, Pasta und viele Fast-Food-Ketten im Land, aber die Steaks sind wirklich einmalig.
Als wir im Hostel gegen 9 zurück sind, liegen die anderen “Bewohner” schon in der Sofaecke und gucken “Cast Away – Verschollen” mit Tom Hanks im Sielfilmkanal mnet (so wie Premiere bei uns), den hier viele Hostels und Hotels abonniert haben. Wir gesellen uns dazu und lassen den Abend ausklingen.